Vor ein paar Wochen hatte ich Kontakt zu einer Tierärztin, die ein dickes Pflaster auf einer Wunde trug. Sie erzählte, dass sie von einer Katze gebissen wurde und dass sich die Bisswunde so dermaßen infiziert hatte, dass sie operiert und das Gewebe weiträumig entfernt werden mußte.

Dieses möchte ich einmal zum Anlass nehmen, um auf die Gefährlichkeit von Katzenbissen aufmerksam zu machen. Ein Katzenbiss sieht an der Oberfläche der Haut meist relativ harmlos aus. Die Wunde ist äußerlich klein, blutet kaum und schließt sich auch schnell wieder. Zurück bleibt eine kleine Mini-Kruste.

Aber Katzen haben spitze und lange Zähne mit einer Beisskraft von etwa 56 Newton/cm², weswegen Katzenbisse meist ziemlich tief sind. Nicht der Biss an sich ist jedoch so gefährlich, sondern die im Speichel und an den Zähnen der Katzen befindlichen sehr aggressiven Keime wie z.B. Staphylokokken, Meningokokken oder auch Capnoycytophaga canimorsus. Letzteres ist zwar für Hunde und Katzen unschädlich, aber für den Menschen mitunter das Gefährlichste, weil es von unserem Immunsystem nicht erkannt wird.

Dadurch, dass Katzenbisswunden also sehr tief sind und kaum bluten, können die Bakterien nach dem Biss nicht mit dem Blut aus der Wunde ausgeschwemmt werden. Und gerade im Bereich der Hände, wo Katzenbisse nun einmal am häufigsten sind, werden auch schnell Knochen und Sehnen mit verletzt, so dass sich die Erreger über das Knochenmark oder die Sehnenscheiden im Körper und den Gelenken ausbreiten und entzünden können.

Wann und warum beissen Katzen?

  • in Not
  • in Panik
  • wenn sie Schmerzen haben
  • als Übersprunghandlung
  • aus Verärgerung
  • nach dem Streicheln – wenn sie genug davon haben
  • aus Versehen, weil man z.B. bei einem Streit von Artgenossen dazwischen gegangen ist
  • Stress
  • Tierarzt / Tierheilpraktiker (ich bin bisher zum Glück verschont geblieben)

Jeder 2. Katzenbiss führt zu einer Infektion – im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung (Sepsis). Es reicht leider meist nicht aus, die Wunde zu desinfizieren oder zu kühlen. In vielen Fällen benötigt man ein Antibiotikum und auch die Tetanusimpfung sollte nicht länger als fünf Jahre her sein.

Katzenbisse sollten in jedem Fall schnell und gut versorgt und vor allem auch gut beobachtet werden, denn sie führen sonst rasant zu einer Sepsis und damit ist nicht zu spaßen. Schon so mancher hat sich abends mit einem “harmlosen” Katzenbiss ins Bett gelegt und ist morgens mit einer ballonähnlich angeschwollenen Hand und Fieber wieder aufgewacht. Je größer der Entzündungsherd ist desto wahrscheinlich ist es, dass am Ende auch operiert und Gewebe entfernt werden muß. Und das möchte wirklich keiner – auch nicht Ihre Katze, die dann einige Zeit auf ihren “Dosenöffner”  verzichten muß.

op-wunde
Teddy im März 2013 – OP-Narbe nach einem Biss vermutlich von einem Marder

Auch für Katzen untereinander können die Bisse aus den gleichen Gründen gefährlich werden. Die Wunde ist verschlossen, aber darunter schwelt eine Entzündung. Und unter dem dicken Katzenfell ist das sehr schwer zu sehen.

Also bitte nach heftigen Katerkämpfen die Wunden über längere Zeit immer gut kontrollieren, damit nicht am Ende eine Operation und die weiträumige Entfernung von infiziertem Gewebe notwendig ist.

Blutvergiftung durch Katzenbiss

7 Kommentare zu „Blutvergiftung durch Katzenbiss

  • September 5, 2016 um 10:07 am
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    wow gruselig… 🙁 gerade bei kindern sehr gefährlich, habe selber 2. Hab echt nicht gewusst das das so gefährlich sein kann.

    danke für diesen Hinweis!!
    Viele Grüße

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    • September 9, 2016 um 7:09 am
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      Gerne. Es muß ja nichts passieren, aber es ist immer gut achtsam zu sein 😉

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  • August 27, 2016 um 10:25 am
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    Bei Kinderbissen ist es ebenso… Die gehen zwar nicht so tief, Gefahr der Blutvergiftung besteht trotzdem.

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    • August 28, 2016 um 8:02 am
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      Stimmt….jede entzündete Bisswunde ist gefährlich….ich habe die Erfahrung gemacht, dass Katzenhalter (auch Hundehalter, aber das hier ist ja ein Katzenblog ;-)))) die Bisse sehr schnell einmal verharmlosen und dann wird es eben sehr kritisch. Deswegen der Beitrag 😉

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    • Mai 10, 2020 um 4:56 am
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      Ich hatte selbst zwei Momente mit meinem Kater. Der erste Biss von ihm war, weil ich zwischen die beiden gegangen bin, leicht infiziert und die Antibiotika haben sofort angeschlagen. Zweiter Biss: ich habe den Streuner gewaschen, weil er zu alt ist, um sich selbst zu waschen (und er hat ziemlich… gemüffelt) Ich denke, dass mein anderer Kater den Geruch von dem Streuner an mir hasste. Beim Zigarette stopfen hat er mir dann in die Rechte Hand gebissen. Meine Strecksehne hat sich infiziert, meine Hand wurde dick und es war der fieseste Schmerz, den ich erlebt hatte. Mein Arzt hat mich ins Krankenhaus geschickt, wo man mir Antibiotika gab, mich ambulant operierte und mir ans Herz legte am nächsten Morgen zurückzukehren. Leider wurde es nicht besser, es wurde zu einer sepsis und ich musste notoperiert werden. Eine Woche lag ich dann im Krankenhaus, Infusionen 3x täglich und es war im Gespräch ein zweites Mal zu operieren, weil die Antibiotika etwas brauchten, anzuschlagen. Glücklicherweise musste ich kein 3. Mal operiert werden. 3 1/2 Monate später habe ich eine ca 5 mm dicke, ca 6 cm lange Narbe.

      Ich finde es gut, dass es Menschen gibt, die darauf aufmerksam machen. Zu viele Leute unterschätzen einen Katzenbiss. Um es wie mein Operateur auszudrücken: es hätte auch anders enden können. Bitte geht direkt zum Arzt, wenn ihr gebissen werdet, so eine dicke, rote und vor allem juckende Narbe kann man meistens noch verhindern.

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      • Mai 11, 2020 um 7:55 am
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        Vielen Dank für den ausführlichen Bericht darüber. Vielleicht öffnet das dem einen oder anderen die Augen oder bleibt im Hinterkopf hängen. Leider unterschätzen wirklich viele einen Katzenbiss. Selbst die Tierärzte haben alle sehr großen Respekt davor und schon viele von ihnen oder den Tierarzthelfern mußten das schon sehr schmerzlich am eigenen Leib erfahren. Vielen Dank und alles Gute. LG Ilona

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